Traumatherapie

 

Was ist ein Trauma?

 

Erschreckende, bedrohliche und schmerzhafte Ereignisse sind Teil unserer Lebenswirklichkeit. Jeder kennt sie in verschiedener Intensität. Diese Erfahrungen gehen auf körperlicher Ebene mit Stress, Erregung und Anspannung einher - ursprünglich um den Körper flucht- oder angriffsbereit zu machen. Erscheint oder ist das Ereignis überwältigend und Flucht oder Angriff aussichtslos, verfällt der Organismus in eine Starre (Totstellreflex) bis die Gefahr vorüber ist. Natürlicherweise löst sich diese Spannung nach überstandener Gefahr allmählich wieder und der Mensch oder das Tier ist in Lebendigkeit und Beweglichkeit wiederhergestellt. Wenn sich Anspannung, Erregung und Starre nicht vollständig lösen, entwickelt sich das eigentliche Trauma und ein Mensch kann über Jahre in Starre oder Anspannungszuständen stecken bleiben, die stark beeinträchtigen können.

 

Im Vollbild einer posttraumatischen Belastungsreaktion äußert sich das zum Beispiel in sich aufdrängenden Bildern und Wiedererleben des Traumas (Flashbacks); Albträumen; Gefühl von dauerhafter Betäubtheit, Stumpfheit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen; Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung; Ängsten, Panikzuständen; Vermeidungsverhalten von Triggersituationen, -wörtern, -personen; vegetativer Übererregtheit mit Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen; auch Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen u.a. Süchte) kann ein Versuch sein, den Anspannungszustand und den emotionalen Schmerz zu dämpfen und zu betäuben.

 

Traumatherapie bedeutet in dem Verständnis der körperlich-physiologischen Abläufe dafür zu sorgen, dass der traumatisierte Mensch die Starre und die kreisenden Erregungs- und Anspannungszustände lösen und entladen kann. Im Unterschied zur ursprünglichen Situation ist es in einer Therapiesitzung sicher und der Mensch ist nicht allein, so dass es möglich wird, sich der Erinnerung noch einmal zuzuwenden und die damals in der Not eingefrorenen körperlichen und emotionalen Reaktionen aufzusuchen und auszudrücken.

 

Dadurch lindert sich der chronische Alarmzustand sowohl körperlich wie seelisch und das Ereignis kann zu Vergangenheit werden. Die „Wunde“ kann nun heilen und vernarben und bricht nicht mehr bei jeder kleinsten Berührung erneut auf.

 

Viele Erkenntnisse der Traumaforschung stammen aus der Beobachtung von Tieren, insbesondere von Herdentieren - unseren nächsten Verwandten. Wildtiere erleben häufig lebensbedrohliche Situationen werden aber selten dauerhaft traumatisiert. Grund dafür ist, dass sie instinktiv ihrem Körper nach einem Ereignis erlauben, sich wieder zu entladen z.B. durch Herumspringen, Zittern, Brüllen o.ä.. Wir Menschen tendieren dazu, diese physiologischen Impulse aus Scham, Schuldgefühlen, Angst, Katastrophenerwartungen, sozialen Erwartungen und vielen anderen Gründen zu unterdrücken, was die Entstehung eines chronischen Traumas sehr viel wahrscheinlicher macht.

 

So setzt Traumatherapie sowohl bei der steckengebliebenen körperlichen Reaktion an als auch bei den komplexeren sozialen Dynamiken und unterdrückten Gefühlen wie Wut, Scham, Schuldgefühlen, Ekel und Ohnmacht um nur die häufigsten zu nennen.

 

Gestalttherapie ist insofern schon immer auch Traumatherapie gewesen, da in der Gestalttherapie der Ausdruck von unterdrückten Impulsen und Gefühlen als einer der zentralen Wirkfaktoren erkannt worden ist.

 

Einen ähnlichen noch traumaspezifischeren Ansatz auf Grundlage von weitreichender biologischer und neurophysiologischer Forschung verfolgt das von Peter Levine entwickelte „Somatic Experiencing“.